Sie nannten mich Ottagon.
02.08.2010 . 0 Kommentare
Die Zeit fliegt. Die Zeit fließt. Ich wette, dass Du auch das Gefühl kennst, in Langeweile zu ertrinken. Und genau wie Du habe ich kürzlich den einzig denkbaren Ausweg aus dieser Mühle genommen. Die VHS hat einen Sinn. Ich habe mich zu einem Kurs angemeldet.
Pünktlich um 15:35 Uhr saß ich zwei Tage später in Raum B und sollte Poesie lernen. Einige von uns malten Vierecke, andere tanzten ihre Vorfahren, und ich habe geschrieben.
Das alles fand lange Zeit vor meiner zweifelhaften Berühmtheit statt, mit der ich es ja in fast alle Medien geschaft habe (außer Phoenix). Die Ottagon-Jünger unter Euch wissen wovon ich rede.
Die Kursleiterin inspirierte uns in den ersten 11 Doppelstunden durch ihre eigenen Werke, auf die sie sehr stolz zu sein schien. Mich hat es aber erst erwischt, als sie mir das Gedicht vom Ottagon vortrug, dessen Herkunft leider niemand mehr kennt.
Ottagon (Auszug)
kerzengerade und windschief /
herzparade als das kind schlief /
feuerschein im dämmerlicht /
mäuerlein schützt lämmer nicht /
siebenstern malt rübezahl /
liebend gern zum üben mal /
musterhaus im jammertal /
gustav, klaus und hammer-karl
Allein diese acht Zeilen bewiesen, dass meine Langeweile mich aus gutem Grund zu diesem Kurs geführt hatte. Alles fügte sich. Mir bleibt heute noch bei den Gedanken an mein erstes Ottagon die Luft weg.
Und so nehme ich auch heute noch ab und zu meinen Stift in die Hand und gebe meinen Gedanken lange Leine. Aber nicht, ohne mir vorher das eine, besondere Wort zu wählen, mit dem es dieses Mal anfangen soll.
Was ist Dein Wort?

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